Wo sind sie hin – die Flüchtlinge aus der Nidderhalle?

(Beitrag von Helga Schenk)

Machmud strahlt. „Mit Familie ist alles klar“. Er erwartet in den nächsten Wochen seine sechsköpfige Familie. Zur Zeit leben sie in einem Flüchtlingscamp in der Türkei. Bald- so hofft der syrische Vater -kann er seine fünf Kinder und seine Frau in die Arme schließen. Natürlich fehlt jetzt eine Wohnung. Denn der Schneider aus Aleppo wohnt zur Zeit in einer Wohngemeinschaft in Büdesheim. Hier leben neun Flüchtlinge in einer kleinen Fünf-Zimmer-Wohnung, also kein Platz für eine Familie. Auch seine Mitbewohner, deren Asylverfahren abgeschlossen und positiv beschieden ist, warten auf ihre Familien, so zum Beispiel Zagros, der in seiner Heimat Frisör war und auch hier in der Nidderhalle seinen Mitflüchtlingen gerne die Haare geschnitten hat. Seinen kleinen Sohn, der im Herbst geboren wurde, kennt er nur vom Foto.

Nach Auflösung der Nidderhalle als Notunterkunft leben zur Zeit in Schöneck 212 Flüchtlinge in Wohnungen. Die alleinstehenden Männer sind in Wohngemeinschaften untergebracht. So gibt es in Kilianstädten acht Männer-WGs mit über 4o Bewohnern, in Büdesheim wohnen 23 junge Männer in vier WGs zusammen und in Oberdorfelden gibt es eine Wohngemeinschaft mit 9 Männern. Die Wohnungen werden vom Arbeitskreis Asyl soweit wie möglich betreut, denn die Syrer, Pakistaner, Iraner und Afghanen müssen allerlei lernen, wenn sie selbstständig, aber gemeinsam in Schönecker Wohnungen leben: Nachbarschaftlicher Umgang, Mülltrennung, Hausordnung, Umgang mit Heizung, Wasser und Strom. Und natürlich auch den Umgang untereinander, denn so ein Wohngemein-schaftsleben verläuft natürlich nicht konfliktfrei. Es gibt auch Frauen-WGS, vorwiegend mit eritreischen jungen Frauen. Die sind jedoch „pflegeleichter“.
Auch Flüchtlingsfamilien haben es einfacher: zwei syrische, fünf pakistanische, sechs eritreische, zwei äthiopische und drei somalische Familien leben in Schöneck . Die meisten Familien aber kommen derzeit aus Afghanistan: insgesamt acht. Auch Familien aus dem Iran und dem Irak sind in Schönecker Wohnungen untergekommen. Natürlich haben sie Nachwuchs: Insgesamt gibt es 56 schutzbedürftige Kinder bei uns, bald werden es 57 sein. Fast alle besuchen Kindergärten, Grundschulen oder weiterführende Schulen. Sie lernen meistens ganz schnell deutsch und helfen dann ihren Eltern. Die müssen ja jetzt auch die Regeln des Schullebens, die Abläufe an Elternabenden und die Ziele von Erziehung und Bildung kennen lernen. Deshalb brauchen auch Familien Unterstützung bei der Integration.

Der Arbeitskreis sucht nach wie vor ehrenamtliche Wohnungslotsen und Familienpaten.
Ob alleinstehend oder mit Familie – alle lernen deutsch. Die Flüchtlinge aus Eritrea, Syrien, dem Iran und dem Irak stehen die offiziellen Integrationskurse zu, sie sind kostenlos. Das Bundesamt für Migration in Nürnberg muss allerdings erst die Erlaubnis zum Besuch eines Kurses erteilen. Und auf diese Erlaubnis warten die Flüchtlinge leider monatelang. In der Zwischenzeit bietet ihnen der AKAsyl mit ehrenamtlichen LehrerInnen Deutschkurse an, die auch von den anderen Flüchtlingen, die zum Beispiel aus Pakistan oder Afghanistan kommen, besucht und ebenfalls kostenlos angeboten werden, aber nicht mit einer Prüfung oder einem Zeugnis enden. Es werden immer wieder ehrenamtliche Helfer für den Unterricht gesucht.

oder 06187/9562250

Schreibe einen Kommentar