Öffentlicher Infoabend Arbeitskreis Asyl Schöneck am 24.01.2017

24.01.2017  * Schöneck

Einladung zum öffentlichen Infoabend

Arbeitskreis Asyl Schöneck blickt in die Zukunft

Schöneck. Unter dem Motto „Was war, was ist, was kommt?“ veranstaltet der Arbeitskreis Asyl Schöneck am Dienstag, 24. Januar, um 19.30 Uhr im Bürgertreff Kilianstädten einen Infoabend.

„Seit vier Jahren heißen wir Flüchtlinge in Schöneck willkommen. Mittlerweile leben in unserer Gemeinde gut 240 Asylsuchende, die die vielfältigen Angebote unseres Arbeitskreises nutzen, seien es Deutschkurse, die Fahrradwerkstatt, die Angebote der Spendenhalle oder Hilfe bei der Arbeitssuche. Das alles funktioniert inzwischen sehr gut. Jetzt möchten wir einen Schritt weiter gehen und Projekte für eine langfristige Integration der Betroffenen starten“, erläutert ein Mitglied des Arbeitskreises die neuen Pläne.

Für diese Aufgaben wirbt der AK Asyl um weitere Hilfe bei der Schönecker Bevölkerung. Der Infoabend soll Interessierten einen ersten Einblick in das Arbeitsfeld des AK Asyl vermitteln, lässt ortsansässige Flüchtlinge zu Wort kommen und will neue Wege aufzeigen.

„Viele Flüchtlinge wünschen sich mehr Kontakte zu Deutschen und haben zahlreiche ungeklärte Fragen zum Leben in Deutschland. Hier wollen wir ansetzen und freuen uns, wenn es engagierte Bürger gibt, die uns unterstützen möchten“, so die Mitwirkenden des AK Asyl abschließend.

Wo sind sie hin – die Flüchtlinge aus der Nidderhalle?

(Beitrag von Helga Schenk)

Machmud strahlt. „Mit Familie ist alles klar“. Er erwartet in den nächsten Wochen seine sechsköpfige Familie. Zur Zeit leben sie in einem Flüchtlingscamp in der Türkei. Bald- so hofft der syrische Vater -kann er seine fünf Kinder und seine Frau in die Arme schließen. Natürlich fehlt jetzt eine Wohnung. Denn der Schneider aus Aleppo wohnt zur Zeit in einer Wohngemeinschaft in Büdesheim. Hier leben neun Flüchtlinge in einer kleinen Fünf-Zimmer-Wohnung, also kein Platz für eine Familie. Auch seine Mitbewohner, deren Asylverfahren abgeschlossen und positiv beschieden ist, warten auf ihre Familien, so zum Beispiel Zagros, der in seiner Heimat Frisör war und auch hier in der Nidderhalle seinen Mitflüchtlingen gerne die Haare geschnitten hat. Seinen kleinen Sohn, der im Herbst geboren wurde, kennt er nur vom Foto.

Nach Auflösung der Nidderhalle als Notunterkunft leben zur Zeit in Schöneck 212 Flüchtlinge in Wohnungen. Die alleinstehenden Männer sind in Wohngemeinschaften untergebracht. So gibt es in Kilianstädten acht Männer-WGs mit über 4o Bewohnern, in Büdesheim wohnen 23 junge Männer in vier WGs zusammen und in Oberdorfelden gibt es eine Wohngemeinschaft mit 9 Männern. Die Wohnungen werden vom Arbeitskreis Asyl soweit wie möglich betreut, denn die Syrer, Pakistaner, Iraner und Afghanen müssen allerlei lernen, wenn sie selbstständig, aber gemeinsam in Schönecker Wohnungen leben: Nachbarschaftlicher Umgang, Mülltrennung, Hausordnung, Umgang mit Heizung, Wasser und Strom. Und natürlich auch den Umgang untereinander, denn so ein Wohngemein-schaftsleben verläuft natürlich nicht konfliktfrei. Es gibt auch Frauen-WGS, vorwiegend mit eritreischen jungen Frauen. Die sind jedoch „pflegeleichter“.
Auch Flüchtlingsfamilien haben es einfacher: zwei syrische, fünf pakistanische, sechs eritreische, zwei äthiopische und drei somalische Familien leben in Schöneck . Die meisten Familien aber kommen derzeit aus Afghanistan: insgesamt acht. Auch Familien aus dem Iran und dem Irak sind in Schönecker Wohnungen untergekommen. Natürlich haben sie Nachwuchs: Insgesamt gibt es 56 schutzbedürftige Kinder bei uns, bald werden es 57 sein. Fast alle besuchen Kindergärten, Grundschulen oder weiterführende Schulen. Sie lernen meistens ganz schnell deutsch und helfen dann ihren Eltern. Die müssen ja jetzt auch die Regeln des Schullebens, die Abläufe an Elternabenden und die Ziele von Erziehung und Bildung kennen lernen. Deshalb brauchen auch Familien Unterstützung bei der Integration.

Der Arbeitskreis sucht nach wie vor ehrenamtliche Wohnungslotsen und Familienpaten.
Ob alleinstehend oder mit Familie – alle lernen deutsch. Die Flüchtlinge aus Eritrea, Syrien, dem Iran und dem Irak stehen die offiziellen Integrationskurse zu, sie sind kostenlos. Das Bundesamt für Migration in Nürnberg muss allerdings erst die Erlaubnis zum Besuch eines Kurses erteilen. Und auf diese Erlaubnis warten die Flüchtlinge leider monatelang. In der Zwischenzeit bietet ihnen der AKAsyl mit ehrenamtlichen LehrerInnen Deutschkurse an, die auch von den anderen Flüchtlingen, die zum Beispiel aus Pakistan oder Afghanistan kommen, besucht und ebenfalls kostenlos angeboten werden, aber nicht mit einer Prüfung oder einem Zeugnis enden. Es werden immer wieder ehrenamtliche Helfer für den Unterricht gesucht.

oder 06187/9562250

Mobile Fahrradwerkstatt in Schöneck

(Beitrag von Helga Schenk)

Die Schaltung ist kaputt, die Bremse versagt, die Lampe funktioniert nicht, die Kette ist gerissen…

Die Begriffe muss man erst mal kennen und aussprechen können. Die Reparatur ist dann der zweite Schritt. Und der gestaltet sich durch den fachmännischen Einsatz von HerrnWolf und Herrn Fröhlich vom ADFC gar nicht so schwierig. Wenn Werner Fröhlich sein voll beladenes Auto ausgepackt hat, steht „mirnichtsdirnichts“ eine fast perfekte Fahrradwerkstatt zur Verfügung, können Räder aufgehängt, diagnostiziert, auseinandergebaut und repariert werden. Und die Räder haben das sehr nötig. „Sie sind in einem schlimmen Zustand und die armen Kerle brauchen sie ja“, sagt Herr Fröhlich.

„Die armen Kerle“, das sind die Flüchtlinge aus Schöneck, die vom Arbeitskreis Asyl so weit wie möglich mit gespendeten, gebrauchten Rädern ausgestattet werden. In die mobile Fahrradwerkstatt schieben die Männer samstags die kaputten Räder, ihre eigenen, aber auch die ihrer Kinder und ihrer Frauen. Dann wird stundenlang geschraubt, gepumpt und zusammengepuzzelt. Die meisten Ersatzteile hat Werner Fröhlich dabei. Er weiß genau, woran es bei alten Rädern hapert. Er hat schon mehrere Schul-Fahrradwerkstätten aufgebaut und geleitet. Mit den Flüchtlingen arbeitet er sehr gerne zusammen, einige – so findet er- haben „ein Händchen“, andere seien nicht so geschickt, aber alle sind sie nett und dankbar für die Hilfe. Enttäuschte Gesichter gibt es aber trotzdem, denn manch ein Flüchtling kommt zur Werkstatt in der Hoffnung endlich auch ein Fahrrad zu bekommen. Über 20 Asylbewerber stehen auf der Warteliste. Sie müssen vertröstet werden. Ersatzteile und Fahrräder gibt es übrigens nicht umsonst. Der AK Asyl nimmt 10 Euro pro Rad. Davon können dann wieder neue Ersatzteile angeschafft werden. Den Überblick über das Ersatzteillager behalten die beiden Spezialisten, die da samstags ehrenamtlich schon viele Fahrräder flott gemacht haben. Hut ab und vielen Dank!